Solidarischer Adventskalender #10 Waldgärten & Agroforstsysteme
Sieben Orte, die wir 2025 persönlich besucht haben oder eine direkte Verbindung zu Peace of Land
Waldgärten und Agroforstsysteme gehören für uns zu den hoffnungsvollsten Antworten auf die Klimakrise. Sie verbessern die Bodenfruchtbarkeit, speichern Wasser, bremsen Austrocknung und bringen Biodiversität zurück in Landschaften und Städte. Und: Sie machen unser Ernährungssystem widerstandsfähiger – weil sie auf Vielfalt, mehrjährige Pflanzen und stabile Ökosysteme setzen statt auf Monokulturen.
2025 hatte ich (Yvonne) die Chance, mehrere dieser Projekte persönlich zu besuchen. Meine Fellow-Peace of Landies Kristin, Pia und Ramos haben jeweils ihre individuelle Verbindung zu einigen der vorgestellten Projekte. Es ist also keine Top 7 Liste der schönsten oder produktivsten Waldgärten sondern eine ganz private Sammlung von Projekten mit denen wir auf unterschiedlichem Wege verbunden sind. Außerdem sind allesamt gut von Berlin aus zu erreichen.
1) Urbane Waldgärten – Waldgarten Britz (Uni Potsdam, Leitung Dr. Jennifer Schulz)
🔗 https://urbane-waldgaerten.de/
🔗 https://www.waldgarten-britz.de/
Der Waldgarten Britz ist ein Beispiel dafür, wie Waldgärten in der Stadt sichtbar und erlebbar werden können – und gleichzeitig das klassische Kleingartenwesen weiterentwickeln.
Das Projekt liegt auf dem Gelände eines Kleingartenverbands und verbindet:
-
einen Gemeinschaftsgarten mit ca. 1000 m²,
-
eine Umweltbildungsfläche,
-
eine Kleingartenanlage, deren Parzellen waldgärtnerisch bewirtschaftet werden sollen,
-
und öffentlich zugängliche Wege.
Besonders wichtig finde ich den Ansatz, dass Parzellen nur an Menschen vergeben werden, die zuvor ein Jahr im Gemeinschaftsgarten mitgearbeitet haben. Außerdem ist waldgärtnerische Gestaltung – also mehrere Ebenen, Bäume und Sträucher – ausdrücklich erwünscht und Teil der Vereinbarung mit den Pächter*innen.

Dr. Jennifer Schulz und ihr Team organisieren zudem seit Jahren das große Vernetzungstreffen für urbane Waldgärtner*innen in Deutschland – ein enorm wichtiger Beitrag für die Bewegung.
Ich war 2025 das dritte Mal vor Ort und haben gesehen, wie die Bäume wachsen und die Parzellen nun belebt werden und Form annehmen: Eine Revolution im Kleingartenwesen. Was das Projekt urbane Waldgärten neben der direkten Anbindung an Forschung und Universität ist auch die enge Kooperation mit öffentlicher Verwaltung. So entstand zum Beispiel in Kassel ein Waldgarten des Projektes in enger Zusammenarbeit mit und auf Flächen des Grünflächenamtes Kassel.
2) EduFarm – Regenerative Landwirtschaft weitergedacht
Peace-of-Landie Kristin ist auch Teil des EduFarm-Teams – ein Projekt, das zeigen will, dass regenerative, klimaresiliente Landwirtschaft wirtschaftlich tragfähig und fair bezahlt sein kann.
Die Vision:
-
Ganzjährig vielfältiges Gemüse & Obst
-
Agroforstsysteme & mehrjährige Kulturen
-
Forschung, Experimente, Weiterentwicklung
-
Bildungsangebote & Führungen für viele Menschen
-
Ein Ort, an dem Menschen dauerhaft leben können – oder Urlaub machen
EduFarm gehört zu den Projekten, die ich 2025 noch nicht persönlich besucht habe, die mir aber sehr am Herzen liegen – nicht zuletzt, weil Peace-of-Landie Kristin dort Teil des Kernteams ist. Was mich an EduFarm besonders anspricht, ist die große Nähe zu dem, was wir bei Peace of Land im Kleinen versuchen: zu zeigen, wie die Zukunft der Landwirtschaft aussehen kann.
Während unsere Fläche in der Stadt begrenzt ist, hat EduFarm den Raum, um genau das in einer landwirtschaftlichen Dimension sichtbar zu machen. Es soll ein Ort entstehen, an dem nicht nur Nahrung wächst, sondern an dem Menschen leben, arbeiten, forschen und lernen können. Ein lebendiger Lernraum sozusagen.
Besonders spannend finde ich, dass EduFarm nicht nur ökologisch anbaut, sondern konsequent darüber hinausgeht: Die Maschinen sind elektrisch und laufen mit erneuerbarer Energie. Sie haben sogar am ersten vollelektrischen Traktor mitentwickelt – etwas, das selbst in der regenerativen Landwirtschaft noch selten ist.


Dazu kommt ein Interesse an Architektur und planetaren Grenzen: ökologisches Bauen, Materialien, die zum System passen, und ein Bewusstsein dafür, dass Landwirtschaft, Wohnen und planetare Verantwortung zusammengehören. Genau diese Verbindungen sind auch bei Peace of Land immer wieder Thema – auch wenn wir hier im urbanen Raum in einer völlig anderen Größenordnung arbeiten.
EduFarm ist eines der Projekte, das wir in der Zukunft unbedingt persönlich besuchen wollen. Es zeigt, wie umfassend Landwirtschaft gedacht werden kann, wenn ökologische, soziale und technische Innovationen zusammenkommen.
3) FoodForest Network (ehemals Sarsarale e.V.)
🔗 https://foodforest.network 🔗 https://waldgartenrehfelde.de/
Das FoodForest Network betreibt und begleitet Waldgärten in vier Klimazonen – Senegal, Deutschland, Ghana und weitere Orte.
Einzelne Projekte:
-
Ana Fonio, Senegal – 3 ha in semiaridem Klima
-
Jäckels Aufbruch, Oderbruch – 18 ha Agroforst (Fun Fact: Teile unseres alten PoL-Gebäudes stehen dort!
-
Waldgartenpilot Rehfelde
- Tilos FoodForest, Ghana – 2 ha
Besonders verbunden sind wir mit dem Waldgarten Rehfelde: gegründet von Peace of Landie Ramos, heute getragen von rund 20 Menschen von denen viele im Selbstversorgergarten und im Bereich SoLaWi aktiv sind – Kristin und Mathias sind jedoch diejenigen, die ausgewählte Flächen des Projektes waldgärtnerisch unter anderem mit Methoden des syntropischen Agroforsts pflegen und weiterentwickeln.

Dort entstehen jedes Jahr oft in Kombination mit offenen Mitmachtagen und Workshops neue syntropische Agroforst-Reihen: Fokus liegt dabei auf Biomasse, Bodenaufbau, Diversität und radikale Regeneration. Rückschnitt als Motor für Wachstum. Ein System, das nicht auf „Bäume pflanzen“ beschränkt bleibt, sondern Ökosysteme kickstartet.
Und ja: Auch viele unserer Pflanzen leben dort weiter. Denn die Gründung des Waldgarten Piloten und der Wegzug unseres Projektes von unserer Fläche am Weingarten überschnitten sich und so konnte viele unserer 2017 veredelten Obstbäume aber auch viele Sträucher in Rehfelde eine neue Heimat finden in der sie hoffentlich jetzt dauerhaft wurzeln schlagen können.
Unser Besuch im April bei der Einführung in den syntropischen Agroforst war wie eine Zeitreise zurück zu den Anfängen von Peace of Land. Alles war improvisiert und der Container, der mal unser Peace of Land Café war diente als provisorischer Seminarraum. Scheinbar liegt diesem Improvisierten, Unfertigen einen Zauber inne, der viele Menschen anzieht.
4) Waldgartenprojekt / Waldgartenverzeichnis & Waldgartenkongress
🔗 https://waldgartenprojekt.de/
Ramos hat die letzten Jahre enorm viel dazu beigetragen, Waldgärten sichtbar zu machen – u. a. durch:
-
den monatlichen Online-Waldgarten-Stammtisch
-
das Waldgarten-Verzeichnis
-
den Waldgartenkongress (mit Expert*innen aus ganz Deutschland)
Heute führt er dieses Projekt mit dem neu gegründeten Verein Nahrungswald e.V.
Wir empfehlen sehr die Dokumentation des Waldgartenkongresses 2024
Artikel, Fachwissen, Karten, Videos (über QR-Codes), geballtes Wissen für alle, die anfangen möchten oder tiefer einsteigen wollen.
5) Fischer’s Waldgarten – ein privates Kleinod voller Vielfalt
🔗 Fischers Waldgarten 🔗 Waldgärtner Brettspiel
Im Frühjahr durfte ich diesen kleinen, magischen Waldgarten besuchen – zwischen Potsdam und Werder.



Was diesen Waldgarten auszeichnet:
-
eine unglaubliche Sammlung an Gehölzen
-
Viel zu sehen auf kleinem Raum
-
viele weitere Ebenen voller essbarer & dekorativer Pflanzen
-
detaillierte Dokumentation aller Gehölze-Arten und Sorten
-
Führungen möglich
-
und: das Waldgärtner-Spiel von Claas Fischer – ein tolles Geschenk!
Ein inspirierender Ort, der zeigt, wie viel Vielfalt ein einziger Mensch schaffen kann.
6) Wir bauen Zukunft – Waldgarten, Ökosystem & Zukunftsort
Im Juli 2025 war ich drei Wochen lang als Waldgärtnerin bei Wir bauen Zukunft in Niklitz für eine Art Praktikum oder Urlaub gegen Hand. Das rund 10 Hektar große Gelände fühlt sich an vielen Stellen wie ein einziger großer Waldgarten an – mit alten Gehölzstrukturen, Feuchtzonen, Wiesen, Staudenflächen, Streuobst, Schattenräumen und sonnigen Lichtungen. Viele dieser Bereiche stammen noch aus der Zeit, in der das Gelände in den 1990er-Jahren als Wissenschaftspark und botanischer Garten angelegt wurde. Heute profitieren die Menschen vor Ort davon: Man arbeitet quasi in einem gewachsenen Mosaik aus Mikroökosystemen.
Die vielleicht schönste Szene dieser Wochen war für mich, in der Dämmerung echte Glühwürmchen zu sehen – zwischen feuchten Gehölzstrukturen, dort, wo sich die Feuchtigkeit der Nacht hält. Ich hatte so etwas seit meiner Kindheit nicht mehr erlebt.

Meine Arbeitstage waren sehr vielfältig:
Waldgarten pflegen, Beete entkrauten, Beeren, Kräuter und Blüten ernten, Teekräuter trocknen und abpacken, neue Mischungen entwickeln, Blumen schneiden und arrangieren, die Küche in der täglich für und von der Gemeinschaft gekocht wird mit frischen Kräutern versorgt sowie Beeren und Baumfrüchte zu Marmeladen verarbeiten.
Daneben habe ich ein Vollmondritual als Open Space Angebot gestaltet und eine Kräuterführung angeboten.
Ende Juli habe ich mir dann vor Ort eine Auszeit beim ganzheitlichen Body Love Festival gegönnt und mit meiner Berliner Tanzfamilie den Sommer und meinen Abschied von WBZ gefeiert.


Bauen – aber richtig
Der Name „Wir bauen Zukunft“ kommt nicht von ungefähr. Die Menschen dort setzen sich seit Jahren mit nachhaltigem Bauen und planetaren Grenzen auseinander. Der Bebauungsplan wurde erst 2025 neu beschlossen, sodass ab 2026 tatsächlich größere Gebäudestrukturen entstehen dürfen. Geplant sind u. a.: ein gemeinschaftlich gebautes Earthship-Gebäude sowie weitere ökologische Bauten für Gäste durch die der Genossenschaft
Das Gelände hat das Potenzial, langfristig ein Wohn-, Arbeits- und Lernort für viele Menschen zu werden – eingebettet in regenerative Landwirtschaft, Waldgärten, Naturverbindung und soziale Gemeinschaft.
Wir bauen Zukunft ist mehr als ein Waldgarten. Es ist ein wichtiger Hub im regenerativen Netzwerk in Mecklenburg Vorpommern und Deutschland. Hier beschäftigt man sich mit solidarischem Wirtschaften, Commoning, Neuen Formen des Arbeitens und Lebens, Bauen, Solidarischer Landwirtschaft, Gesundheit und Wohlbefinden. Daneben ist das bisherige Hauptgebäude mit dem Lummerland voller bunter kleiner Schlafkojen ein totales Highlight.
Wir bauen Zukunft bietet sich an als Ort für Urlaub, Arbeiten, Festivals und Retreats.
Umfeld & Ausgründungen
Rund um Wir bauen Zukunft haben sich bereits mehrere Projekte entwickelt, etwa:
-
die SoLaWi Himmel & Hummus
-
die Waldgarten- und Naturkosmetikmarke Naturalista
- Die Werkhalle mit dem Betrieb „Hauptsache Tiny“ die ökologische TinyHäuser konzipiert und baut
7) SUPERLAND – Waldgarten am Futurium
🔗 Futurium 🔗 Parzelle-X 🔗 Pflanzplan
Nur wenige Meter vom Berliner Hauptbahnhof entstand 2025 ein temporärer Waldgarten als Teil der Futurium-Ausstellung – mit täglich 2.000–4.000 Besucher*innen. Die Installation ist Teil der Jahresausstellung 2025 mit dem Titel „Zukunftsfelder“

Dieses Projekt war für mich besonders, weil ich selbst an der Umsetzung beteiligt war.
Und ja – die Leute ernten schon Kräuter und Gemüse. Genau so beginnt Ernährungswandel. Allerdings hätten wir uns gewünscht stärker mit Umweltbildungsangeboten an der Installation tätig zu sein. Dann könnten Menschen zum Beispiel lernen, dass man einem Palmkohl nicht den ganzen Kopf abschneidet, sondern einzelne Blätter erntet. 😀

Parzelle X ist ein Landschaftsarchitekturbüro, dass neben der Gestaltung und Interventionen im öffentlichen raum einen besonderen Fokus auf Naturpädagogik hat. Diese sehr besondere Kombination ist auch ein Grund, warum hier so vielfältig versierte Frauen im Team arbeiten. Von Landschaftsarchitektur, Waldgarten über Permakultur bis Umweltpädagogik für Klein und Groß.
Das Büro gestaltete und pflanzte unter anderem auch in 2024 den „Nutzpflanzengarten“ im Botanischen Garten und bietet dort Bildungsangebote für GrundschülerInnen an. Hier lernen Grundschulklassen etwas über Obst und Gemüse und werden spielerisch an das Thema Ernährung herangeführt. Die Nutzpflanzengarten enthalt übrigens auch Waldgartenstrukturen. Einfach, weil wir als Team davon überzeugt sind.
