Solidarischer Adventskalender – #23 Kreislaufwirtschaft
Ressourcenschätze in Berlin
Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst im großen Stil, sondern dort, wo wir Materialien länger nutzen, kreativ wiederverwenden und Reparieren zur Kultur wird. Berlin hat dafür einige besondere Orte, die zeigen, wie viel Potential in Reststoffen steckt – und wie viel Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen Ressourcen teilen.
Heute stellen wir drei Initiativen vor, die sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Materialien einsetzen und gleichzeitig Räume schaffen, die uns ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Und überall gibt es gerade aktuelle Entwicklungen, bei denen ihr direkt einsteigen oder unterstützen könnt.
Kunst-Stoffe e.V. – Materiallager für die Stadt
Website: kunst-stoffe-berlin.de
Standorte: Pankow (Königswinterstr. 6) und Steglitz (Albrechtstr. 12)
Kunst-Stoffe ist im Grunde ein zweites Leben für alles, was in Berlin an Materialien anfällt: Holzreste aus dem Bühnenbau, Stoffe, Farben, Schrauben, Metall, Haushaltsgegenstände, Ausstellungsbauten. Ein realer Ort für Menschen, die bauen, gestalten oder experimentieren möchten, ohne neues Material kaufen zu müssen.
Aktuell wurde das Lager in Pankow gerade erweitert und hat durch neue Kooperationen ungewöhnlich viel hochwertiges Restmaterial aus Messebau und Theaterproduktion bekommen. Wer im Winter ein Bau- oder Reparaturprojekt plant, sollte unbedingt dort vorbeischauen.
Außerdem gibt es zwei Räume, die im November 2025 frei wurden für andere Akteurinnen.
Was du konkret tun kannst:
Material retten, Workshops besuchen oder Kunst-Stoffe als Fördermitglied unterstützen.
Haus der Materialisierung (HdM) – Werkstätten für die zirkuläre Stadt
Website: https://hausdermaterialisierung.org/
Ort: Haus der Statistik / Allesandersplatz, Otto-Braun-Str. 70–72
Das HdM ist ein Zusammenschluss von offenen Werkstätten: Holz, Textil, Metall, Repair-Café, 3D-Lab, Materialarchiv und viele Bildungsangebote. Ein Ort, an dem Reparieren, Neubauen, Experimentieren und Wissen teilen selbstverständlich zusammengehören.
Aktuell: Das große Stadtentwicklungsprojekt rund um den „Allesandersplatz“ geht 2026 in die Bauphase. Einige Werkstätten des HdM müssen umziehen oder suchen neue Räume. Wie es weitergeht, hängt stark davon ab, wie sichtbar und aktiv die Community jetzt ist. Jede Nutzung zählt – einfach hingehen und mitmachen ist die beste Unterstützung.
Was du tun kannst:
Werkstätten besuchen, Reparier- oder Bauprojekte dort umsetzen, an Veranstaltungen teilnehmen und so dazu beitragen, dass das HdM im neuen Gebäudekomplex dauerhaft Platz findet.
Allesandersplatz / Haus der Statistik – Stadtentwicklung fürs Gemeinwohl
Website: https://hausderstatistik.org/
Ort: Alexanderplatz, Otto-Braun-Straße
Der „Allesandersplatz“ ist ein europaweit beachtetes Projekt: Bezirk, Senat und zivilgesellschaftliche Gruppen entwickeln gemeinsam ein riesiges Areal neu, das jahrzehntelang leer stand. Es entsteht ein sozialer, kultureller und ökologischer Ort – und Kreislaufwirtschaft, Reparaturkultur und offene Werkstätten spielen dabei eine wichtige Rolle.
Aktuell: Die 2026 beginnende Bauphase bedeutet, dass viele Initiativen jetzt nochmal besonders auf Unterstützung angewiesen sind – sei es durch Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, Präsenz in den Räumen oder Mitarbeit in Beteiligungsformaten zur zukünftigen Gestaltung des Ortes.
Was du tun kannst:
Infoabende besuchen, Zwischennutzungen wahrnehmen, dich an Arbeitsgruppen beteiligen – und damit sichtbar machen, wie wichtig diese gemeinwohlorientierten Räume für die Stadt sind.
Warum das alles wichtig ist
Kreislaufwirtschaft ist einer der zentralen Hebel für eine nachhaltige Stadt: weniger Müll, weniger Ressourcenverbrauch, längere Lebenszyklen von Materialien, lokale Kreisläufe und Orte, an denen Menschen sich gegenseitig befähigen, Dinge selbst zu reparieren oder neu zu gestalten.
CRCLR House – Das Haus aus Müll
Das CRCLR House gehört zu den spannendsten Pionierprojekten für zirkuläres Bauen in Berlin dieses Jahrzehnts. Hier wurde von Anfang an ausprobiert, wie Architektur aussehen kann, wenn man konsequent mit wiederverwendeten Materialien arbeitet. Das ist in Deutschland mit seinen vielen vielen Bauvorschriften ein ganz schön großes Unterfangen mit hohem Risiko, dass niemand bereit war als Bauheer auf sich zu nehmen.
Um dieses Experiment dennoch möglich zu machen, gründete sich 2016 die Baugenossenschaft TRNSFRM eG. Sie hat den Bau umgesetzt und gezeigt, wie viel Potenzial in Materialien steckt, die sonst als „Abfall“ gelten würden. Und das auch noch gemeinschaftlich getragen und organisiert.
Auch Peace of Landies Natalie (Architektur), Olaf (Materialbeschaffung, Beratung & Logistik) waren während der Planungs und Bauphase involviert in dieses spannende, bis dahin nicht dagewesene Bauprojekt.
Seit der Eröffnung der Gewerbeflächen im November 2021 ist das CRCLR House ein lebendiger Arbeitsort:
Die Co-Working-Bereiche werden vom Impact Hub Berlin bespielt und ziehen Menschen an, die an sozial-ökologischen Themen arbeiten und neue Formen des Wirtschaftens erproben. Hier finden Sie günstige Büroräume und ein buntes Netzwerk aus ChangeMakern. Außerdem gibt es großzügige Veranstaltungsräume unterschiedlicher Größe, die man mieten kann. Im Co-Working Bereich kann man Büros und Meetingräume mieten und gemeinschaftlich mit anderen nutzen um Kosten und Ressourcen zu sparen.
Weiterlesen zur Geschichte des CRCLR Houses!
Kreislaufwirtschaftstrategie Deutschland
In Deutschland wird seit 2024 eine nationale Strategie für Kreislaufwirtschaft erarbeitet. Die Website informiert über Möglichkeiten der Partizipation bei der Erarbeitung der Strategie, über Partnerprojekte und Förderangebote für zirkuläre Projekte!
Homepage
Im kleineren Maßstab in der Nachbarschaft – Peace of Land…
… damals Kreislaufwirtschaft in der Nachbarschaft auf 3.700qm
war Olaf bis 2023 die treibende Kraft, der in Berlin Unmengen an gutem Material eingesammelt, gelagert und sortiert hat. Eine Aufgabe die in ihrem Wert unschätzbar groß war als wir noch das alte Gelände, den Lagerplatz und viele Möglichkeiten und Raum für neue Bauprojekte hatte.





heute – Kreislaufwirtschaft mit der Kulturmarkthalle
Die Funktionen von Bauen und Kreislaufwirtschaft wird heute an unserem neuen Standort an der KulturMarktHalle von deren Holzwerkstatt-Team übernommen. Diese bauen mit uns Hochbeete und Holzkonstruktionen im Garten und für unsere Infotafeln. Auch der Koch Thomas Wehner hat it seinen wöchentlichen Integrations Kochtreffen nicht nur Menschen miteinander ins Gespräch gebracht sondern auch sehr fleissig unsere Komposttonne immer wieder randvoll hat werden lassen. Da war richtig Dynamik im Bereich Bodenaufbau möglich, und das auf sehr begrenztem Raum direkt in der Nachbarschaft.


Winter 2022/23

Simon unser jüngstes Mitglied gestaltete und bepflanzte vor 3 Jahren mit uns ein Mini-Ökosystem in einem riesigen Hochbeet. Simon zeigt sich federführend in der Installation von inzwischen 3 Regenwurmfutterluken. Bei Gartenbesuchen bringt er manchmal Schnippelreste aus der Küche mit und füttert die Regenwürmer direkt im Beet mit dem Kaffeesatz aus der KulturMarktHalle Kaffee-Bar und dem Apfelgriebsch vom Nachmittagssnack. Simon zieht diese der Biotonne vor, denn hier kennt er die Regenwürmer, die hier leben und denen es jetzt gut geht. Damit ist er beteiligt daran an der KulturMarktHalle Kreisläufe geschlossen werden.



Heute
Regelmäßig landen die Sägespähne in großen Säcken direkt neben unserem Komposthaufen, wo wir diese benötigen um genug Kohlenstoff im Kompost zu haben. Seit wir kein großes Gelände mehr haben, haben wir deutlich weniger Ressourcen an Laub und Ästen. Und da jede Woche viel Schnippelreste in der KulturMarktHalle Küche anfallen bringen die Spähne das perfekte Mischungsverhältnis von Stickstoff und Kohlenstoff 1:26 . Bei diesem Verhältnis wird der Zersetzungsprozess beschleunigt. Ergo schneller guter Kompost auf ganz kleiner Fläche. Aktuell kompostieren wir auf 1qm. Aber tatsächlich können wir 1-2x im Jahr 1-2 Schubkarren guten organischen Kompost herausholen. Und auch auf diesem 1qm schließen wir Kreisläufe: Denn der Komposter steht direkt im Gemüsebeet und die Nährstoffe, die im Kompostierprozess in den Boden übergehen nützen den Dauerkulturen im Gemüsebeet. Mal davon abgesehen sorgen wir damit für einen „Impact Hub“ im Boden, denn rund um den Komposter geht im Boden ganz sicher die Luzie ab!
Und das wiederum nährt unsere Pflanzen und die Insektenwelt. Das kann ein Impact sein von geschlossenen Kreisläufen im ganz Kleinen in Deiner Nachbarschaft.
Was kannst Du tun?
Aktuell hat Peace of Land noch einiges an Potential weitere Kreisläufe zu schließen oder das Thema Kompostierung auf engstem Raum zu bearbeiten. Wer sich dafür interessiert solche Projekte zu initieren und zu begleiten oder zu unterstützen mit Tatkraft, der melde sich gern bei uns info@peaceof.land, kommt zu unseren Gartentagen, Öffentlichen Veranstaltungen oder schaut spontan vorbei. Unter anderem haben wir einen pallettengroßen Wurmkoposter, der auf ein kleines Team von Menschen wartet, die diesen aufbauen und betreuen möchten um in der Nachbarschaft aus Küchenabfällen Boden zu machen.
Bauen statt Kompostieren?
Vielleicht ist aber auch eher ein Engagement im Team Bauen was für euch. In dem Fall wendest Du Dich an werkstatt@kulturmarkthalle.berlin oder gehst mal zu den offenen Werkstatttagen: Donnerstags von 16:00 – 20:00 Uhr.
Ein Angebot, dass auf viel ehrenamtlichen Engagement beruht.