Solidarischer Adventskalender – #22 Bauen & Wohnen

Gepostet am 06 Dezember 2025 von Peace ofLand

Materialien, Techniken & Projekte, die heute schon Zukunft bauen

Wenn wir im Waldgarten oder im Schattenbeet arbeiten, denken wir viel über Boden, Kreisläufe und klimapositive Lösungen nach. Beim Bauen ist es nicht anders: Auch Gebäude sollten Teil eines regenerativen Systems sein — ressourcenschonend, kreislauffähig, erneuerbar und gesund.

Für dieses Türchen haben wir uns die spannendsten Baumaterialien, Bauweisen und Projekte angeschaut, die Maßstäbe setzen. Viele davon entwickeln Lösungen, die perfekt zur Permakultur passen: Abfall zu Rohstoff, Energie sparen, Vielfalt fördern, Kreisläufe schließen und gesunden Wohnraum für Menschen schaffen.


Materialien & Techniken


Bauen & Dämmen mit Algen

Seetang / Seegras als Ressource

Seegras wird von der Ost- und Nordsee in großen Mengen angespült und gilt vielerorts noch als „teurer Müll“. Dabei ist es naturgedroschen, salzresistent, schimmelarm, CO₂-speichernd und extrem langlebig — ideal als Dämmstoff.

In Dänemark, den Niederlanden und Norddeutschland wird intensiv geforscht, wie Seegras zu Dämmmatten, Schüttungen oder Putzträgern verarbeitet werden kann. Besonders spannend: Das Material muss nicht künstlich getrocknet oder erhitzt werden. Die Natur hat bereits vorgearbeitet – ein Geschenk für die ökologische Bauwelt.

Beispiele
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Seastex Dämmprototyp
Seagrass Restoration Europe
Baltic Blue Bioeconomy (Submariner)


Myzel – Baustoff der Zukunft

Pilzfasern werden zu Platten, Bausteinen & Akustikelementen

Myzel als Baustoff ist für viele noch Zukunftsmusik, aber 2025 ist klar: Diese Zukunft beginnt gerade. Myzel wächst auf Abfällen wie Hanfhäcksel, Stroh oder Holzresten, verzahnt sich zu einem festen Verbund — und kann danach geformt, gehärtet und verbaut werden. Es ist:

  • CO₂-negativ

  • vollständig kompostierbar

  • feuchtigkeitsregulierend

  • superleicht

  • mit sehr niedrigem Energieaufwand hergestellt

Schon heute gibt es marktreife Myzelplatten für Innenräume (Akustik, Möbel, Wandverkleidung). Forschungsprojekte arbeiten an statisch belastbaren Elementen.

Spannendes zum Stöbern
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Mogu – Myzel-Produkte
Grown.bio – Myzelbausteine
MycoWorks – Myzelwerkstoffe
Fraunhofer IBP – Biobasierte Baustoffe
MycoTree Forschungsprojekt


Holzmodulbau & zirkuläres Bauen

Modulares Bauen aus Holz ist derzeit einer der stärksten Trends: schnell, präzise, energiearm, klimapositive CO₂-Speicherung — und fast vollständig rückbaubar. Gerade in Berlin zeigen einige Projekte, wie weit man kommen kann, wenn man Wiederverwendung ernst nimmt.

Dazu gehören zirkuläre Materialbanken, sortenreine Holzkonstruktionen, demontierbare Fassaden und Bauteile aus recycelten Hölzern. In Nordamerika werden bereits Hochhäuser aus Holzmodulen gebaut.

In Deutschland gibt es viele Akteure im Holz-Modulbau, von großen etablierten Firmen wie FRICK Modulbau, Huber & Sohn (mit Timber Homes), KLEUSBERG, Gumpp & Maier und Regnauer Objektbau bis hin zu spezialisierten Anbietern wie roomodulz oder DERIX, die komplette Lösungen für Wohnen, Gewerbe, Bildung und Gesundheitswesen bieten; sie alle nutzen den hohen Vorfertigungsgrad für schnelle, nachhaltige und flexible Bauprojekte von Studentenwohnheimen bis zu Bürogebäuden.

Holzbau Liste
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FRICK Modulbau
Huber & Sohn (TimberHomes)
KLEUSBERG
Triqbriq Holzbausteine
Regnauer Objektbau
SÄBU Holzbau
roomodulz
DERIX Holzmodul & Massivholzbau mit aktuellem Hochhausbau Projekt
Kaden+Lager (Holzbau-Pioniere)Hauptsache Tiny (Tiny Haus Planung, Beratung  und Fertigung)WoHo Berlins erstes Holzhochhaus Projekt


Hanfkalk (Hempcrete)

(Dämmung + Wände aus Pflanzenkalk)

Hanfkalk ist ein ultraleichter, sehr atmungsaktiver und CO₂-negativer Baustoff. Er kombiniert Hanfschäben (Holzanteil der Pflanze) mit Kalk. Das Ergebnis:

  • schimmelfrei

  • wärmespeichernd

  • feuchtigkeitsregulierend

  • extrem langlebig

  • kompostierbar

  • hervorragende Ökobilanz

Die Hanfpflanze wächst ohne Pestizide, bindet enorme Mengen CO₂ — und die Produktion braucht kaum Energie. Viele Projekte in Deutschland setzen nun erstmals ganz auf Hanfkalkwände und Hanfsteine.

Weiterführende Infos
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Hanfstein.eu
Hanfkalk Berlin 
Klimapraxis – Hanfkalkprojekt
Hanffaser Uckermark https://www.hanffaser.de/
Bioranch Zampow

Deutsche Hanf-Akademie
DAB Fachartikel


Bauen mit Lehm & Stroh

(Häuser, die atmen – Gebäude aus der Landschaft)

Lehm und Stroh bilden seit Tausenden Jahren natürliche, gesunde und extrem langlebige Gebäude. Durch neue Normen und Zertifizierungen (u. a. in Sieben Linden erkämpft) können Strohballenhäuser heute regulär genehmigt werden.

Sie verbinden:

  • herausragende Ökobilanz

  • hohe Dämmwerte

  • CO₂-Speicherung

  • diffusionsoffene, gesunde Innenräume

  • einfache Reparatur & vollständige Kreislauffähigkeit

Weiterführende Infos
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Claytec – Lehmbaustoffe: https://www.claytec.de/
Dachverband Lehm: https://www.dachverband-lehm.de/
Sieben Linden – Strohballenbau: https://siebenlinden.org/bauen/


🔥 6. Nachhaltige Wärme: Infrarot + Lehmwandheizung

Viele Menschen kennen Infrarotheizungen als „elektrisch = teuer“. Aber 2025 zeigt die Forschung ein differenziertes Bild:

  • wärmt Körper & Oberflächen direkt (wie Sonne)

  • dadurch 2°C niedrigere Raumtemperatur möglich → 20–30% Energieersparnis

  • perfekt in Kombination mit Photovoltaik

  • nahezu verlustfreie Strahlungswärme

  • kein Staub, keine Luftumwälzung → ideal für Allergiker

  • sehr gut für Altbauten & punktuelles Heizen

Lehmwandheizungen verbinden Strahlungswärme mit dem angenehmen Raumklima von Lehmoberflächen.

Weiterführende Infos
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Naturbo Wandheizung
Lehmwandheizung.de
LifeVERDE Artikel– nachhaltig heizen


 


Trends 2025 aus der Baubranche

Der wichtigste Trend: CO₂-negative und kreislauffähige Baustoffe.
Laut aktuellen Analysen geht es in Richtung:

  • biobasierte Materialien (Hanf, Algen, Myzel)

  • Holzmodulbau in vielen Bundesländern

  • serielles Sanieren

  • Rückbaubarkeit & Materialpässe

  • Wärmewende durch Strom + PV + Strahlungswärme

  • Kreislaufwirtschaft auf Baustellen

  • Dachbegrünung

Weiterführende Infos
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Hausbauhelden – Trends 2025



Projekte, die heute schon ökologisches Bauen leben


Ökodorf Sieben Linden

Lehm, Stroh & Gemeinschaftsarchitektur

Einer der wichtigsten Orte für ökologisches Bauen in Deutschland.
Hier wurden dutzende Gebäude aus reinem Lehm & Stroh errichtet. Die Community hat massiv dazu beigetragen, dass Strohballenbau heute genehmigt werden kann. Das Gästehaus „Strohtel“ ist ein Paradebeispiel für regionale Materialien + niedrige graue Energie + ressourcenschonende Sanitärsysteme.

Links
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https://siebenlinden.org/
https://siebenlinden.org/bauen/


Gemeinschaft Schloss Tempelhof – Earthship Deutschland

Das erste vollständig umgesetzte Earthship Deutschlands steht in Tempelhof.
Earthships basieren ursprünglich auf der Arbeit von Michael Reynolds (USA) und nutzen:

Autarkie, passive Solarenergie, Regenwassernutzung, Wände aus Erdmasse + Recyclingmaterialien, integrierte Pflanzenkläranlagen.

Indoor Greenhouse in a Earth Ship Free Sustainable Living . Build a home and live off the grid without any power needed. get solar panels and build a greenhouse. this shows plants climbing up the side of the green house getting sun light.

 

Earthship Biotecture conservation home and visitor center on Earthship Way in the desert at Tres Piedras, New Mexico

 

Die Gemeinschaft Schloss Tempelhof hat das Konzept an deutsches Recht angepasst und damit Wegweiserarbeit geleistet.

Weiterführende Infos
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https://www.schloss-tempelhof.de/
https://www.schloss-tempelhof.de/angebote/earthship/

Earthship Deutschland



Wir bauen Zukunft (WBZ)

Ein Zukunftsort fürs Bauen von morgen

Das Projekt war ursprünglich inspiriert von der Earthship-Mitmachbaustelle in Tempelhof. Seit 2025 ist der Bebauungsplan angepasst – ab 2026 wird ein mehrstöckiges Earthship für Wohnen & Arbeiten geplant und bald gebaut.

Wenn Du bei der Mitmachbaustelle dabei sein willst dann aboniere doch mal den Newsletter von WBZ um nichts zu verpassen!

Links
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https://wirbauenzukunft.de/
Hauptsache Tiny: https://hauptsachetiny.de/


Klimapraxis – Hanfkalk Projekt

Die Initiative Klimapraxis erforscht & entwickelt eine komplette Wertschöpfungskette für klimapositive Hanfkalksteine in Deutschland. Ein großer Schritt, um Hanfbaustoffe massentauglich zu machen.



Klimapraxis.de/hanfkalk


Dachbegrünung & Regenwassernutzung

Dachbegrünungen gehören zu den wirkungsvollsten Maßnahmen im ökologischen Bauen – besonders in Städten. Sie entlasten die Kanalisation, schaffen Lebensräume für Insekten, speichern CO₂, verbessern die Dämmung und schützen die Dachhaut vor Hitze und Frost. Selbst auf kleinen Flächen – vom Fahrradunterstand bis zum Flachdach eines Wohnhauses – kann Begrünung einen messbaren Einfluss auf das Mikroklima haben.

Extensive Dachbegrünungen (z. B. Sedum, Kräuter, Moose) sind leicht, pflegearm und ideal für Bestandsgebäude.
Intensive Begrünungen ermöglichen fast gartenähnliche Strukturen mit Sträuchern, Stauden oder Nutzpflanzen – sie brauchen mehr Substrat und Statik, bieten aber enorme ökologische Vorteile.

In Kombination mit intelligenter Regenwassernutzung entstehen besonders resiliente Systeme: Gründächer speichern Wasser, verzögern Abfluss, kühlen durch Verdunstung und verbessern den lokalen Wasserhaushalt. Regenwasser lässt sich leicht in Tonnen, IBCs oder unterirdischen Zisternen speichern und für Gartenbewässerung, Toilette oder Waschmaschine nutzen. In Kombination mit kühlenden Gründächern erhöht man bei Photovoltaikanlagen auf dem Dach die Leistung der Anlage bespnders im Hochsommer. Denn wenn die Panele zu stark erhitzen geht deren Leistungsfähigkeit nach unten.


Mit der Regenwasseragentur Berlin gibt es eine zentrale Anlaufstelle, die Bürger*innen, Initiativen, Firmen und Genossenschaften kostenfrei berät – zu Gründächern, Versickerung, Entsiegelung, Regenwasserbewirtschaftung, Fördermöglichkeiten und Planungshilfen.
Für viele Dachbegrünungen und Entsiegelungsmaßnahmen gibt es finanzielle Förderung, z. B. über das Programm „Blaues Dach“, das Regenwassermanagement auf privaten und öffentlichen Gebäuden unterstützt.

Daneben treibt die Berliner Agentur auch die Vernetzung aller Akteure in der Stadt zum Thema Regenwasser vorran. Beim Forum Regenwasser Anfang Dezember tauschten sich Menschen aus Verwaltung, Politik und Engagierte aus der Bürgerschaft aus.

Schaut doch mal, ob eine Förderung für Euer Projekt möglich ist!

Regenwasseragentur Berlin


Fazit

Ökologisches Bauen bedeutet nicht mehr, „alternativ“ zu bauen — es bedeutet, Gebäude als Teil eines lebendigen Systems zu verstehen: kohlenstoffspeichernd, kreislauffähig, reparierbar, gesund und regenerativ. Und die Techniken sind bereits vorhanden, manche davon direkt nutzbar, manche befinden sich noch in der Erprobung und benötigen BauherrInnen, die bereit sind für diese Experimente. das wichtigste ist, es gibt eine diverse Auswahl an Techniken und marktreifen Produkten, die jetzt bereits Anwendung finden können.

Wir hoffen, dieses Türchen inspiriert dich für zukünftige Bauprojekte — ob Tiny House, Umbau, Sanierung oder gemeinschaftliches Zukunftsprojekt.