Solidarischer Adventskalender – #20 Food Sharing
– Lebensmittel retten als praktizierte Permakultur
Foodsharing ist eine der kraftvollsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen gegen Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Tausende Ehrenamtliche engagieren sich dafür, dass genießbare Lebensmittel nicht im Müll landen, sondern dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden. Als umwelt- und bildungspolitische Initiative setzt sich foodsharing für ein gerechteres, nachhaltiges Ernährungssystem ein – lokal und bundesweit.
Die Vision: Ein Ernährungssystem ohne Verschwendung
Dazu rettet Foodsharing bzw. viele einzelne Menschen Lebensmittel aus Privathaushalten und Betrieben, verteilt sie kostenlos über Fairteiler, betreibt Bildungsarbeit und bringt das Thema in politische Debatten ein. Die Bewegung zeigt, wie gemeinschaftliches Handeln konkret zu mehr Ernährungssouveränität, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit beitragen kann. Es ist tatsächlich bereits messbar, dass Supermärkte auch vermehrt darauf achten nicht zu viel wegzuwerfen und seit Jahren mit dem FoodSharing Network zusammenarbeiten.
Warum Foodsharing perfekt zu unseren Permakultur-Werten passt:
🤝 Sorge für die Menschen – Menschen erhalten Zugang zu essbaren Lebensmitteln, unabhängig vom eigenen Geldbeutel.
🌍 Sorge für die Erde – Foodsharing ermöglicht einen ressourcenschonenden Umgang mit unserer lebendigen Welt. Und zeigt auf, wie verschwenderisch und Naturschädigend unser aktuelles Lebensmittel-System ist.
💚 Teile gerecht – Lebensmittel werden solidarisch weitergegeben und Fülle geteilt statt gehortet.
♻️ Produziere keinen Abfall – eines der Permakultur-Designprinzipien, hier ganz praktisch umgesetzt.
Foodsharing zeigt, wie wir durch gemeinschaftliches Handeln echte Alternativen schaffen können – und wie ein anderes Ernährungssystem bereits heute möglich ist. Das Netzwerk hat jahrelang mit Kampagnen die Gesellschaft und Politik auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht und ein merkliches Umdenken angeregt hat. Heute gibt es Rettertüten in vielen großen Supermärkten.
👉 Mehr erfahren oder mitmachen bei FoodSharing.de
Im Peace of Land an der KulturMarktHalle
Auch im Peace of Land als Permakulturprojekt war und bleibt FoodSharing ein Thema: früher waren nicht wenige Peace of Landies selbst aktiv beim FoodSharing. Überreste von der SoLaWi Waldgarten, denen wir als Abholstelle dienten, kamen direkt bei uns in den Topf. Heute bringt öfter mal jemand eine „RetterTüte“ von toogoodtogo oder direkt aus dem Supermarkt mit. Im Sommer teilen wir uns den Vorgarten mit einem Obsthändler, der frisches Obst und Gemüse von Brandenburger Höfen vertreibt. Auch deren übrig gebliebene Waren verwandeln wir zum Beispiel in tolle Erdbeer-Marmelade mit Minze. Von der Marmelade landet dann wieder mindestens ein großes Glas zrück bei der lieben Verkäuferin, die dafür sorgt, dass aber auch nix von den guten Lebensmitteln weggeworfen wird! Auch nicht das letzte Bund leckerer Spargel! LebensmitelretterLuxus
Ete Petete
Wer günstiger Bio-Gemüse einkaufen möchte oder muss kann sich zum Beispiel auch eine ete Petete Kiste buchen, bei der vom Großhandel ungewünschtes aber nicht weniger nahhaftes Gemüse verteilt werden. Also die krumme Möhre und schräge Kartoffel.


Auch auf die nachhaltigen Kocherlebnisse von Thore Hildebrand möchten wir gerne hinweisen. Thore versteht es mit Freude gerettete Lebensmittel in ein gemeinschaftliches Genusserlebnis zu verwandeln und so Lebensmittel-Retten salonfähig zu machen. Thore hat schon mehrfach bei und mit uns und unseren gemeinsamen Gästen aus geretteten Lebensmitteln viele Menschen verköstigt und nebenbei wertvolle Tricks für die eigene Küche daheim mitgegeben.
Die nächste gelegenen Fairteilerstelle ist übrigens in direkter Nachbarschaft:
Heinrich Böll Bibliothek – Ein lebendiges Beispiel für das Konzept der Grünen Bibliothek
Ein Fairteiler ist ein Ort im privaten aber öffentlich zugänglichen Raum, wo Lebensmittel, die noch gut sind, unter hygienischen Standards aufbewahrt und von Menschen ohne Aufwand einfach mitgenommen werden können. Ganz nach dem Motto, dass auch wir pflegen und für zutiefst permakulturell halten: „Nimm Dir, was Du wirklich (ver)brauchst.“.
Die Heinrich Böll Bibliothek, die ihrem Namensgeber alle Ehre machen will, ist sehr engagiert dabei ihre Angebote an die moderne vielfältige Stadtgesellschaft anzupassen. Neben dem Lebensmittelverteiler kann in der Bibliothek der Dinge sich Werkzeuge, Geräte und praktische Dinge ausleihen. Der Co-Working Space im Obergeschoss mit Blick aus dem Fenster sorgt für Bibliothekstypische Arbeitsatmosphäre in der Stadtteilbibliothek. Hier werden Spielenachmittage und Leserunden veranstaltet und am Automaten kann man sich noch bienenfreundliches heimisches Saatgut ziehen um die Biodiversität direkt ins Umfeld zu tragen bevor man sich auf und davon macht mit dem Lastenrad von flotte Berlin, dass man sich einfach in der Bibliothek ausleihen kann. Damit ist diese Bibliothek ein Hub für die Sharing Eceonomy in Berlin. Das bedeutet, dass wir kollektiv viel weniger selbst besitzen müssen, wenn wir es miteinander teilen, direkt in der Nachbarschaft oder eben Mithilfe der Bibliothek. Neben Werkzeug kann man hier auch technisches Equipment ausleihen oder das Bibliotheks interne Podcast Studio und Media Lab nutzen.
Wir finden diese Pankower Stadtteilbibliothek in der Greifswalderstraße ein herausragendes Beispiel, wie wie uns das Handeln von kommunalen Institutionen wünschen: An den wechselnden Bedarfen der Menschen orientiert, ressourcenschonend und solidarisch. Zu Zeiten der Wärmenenergiekrise im Zusammenhang mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde die Bibliothek auch am Sonntag geöffnet als warmer Raum in dem Menschen sich aufhalten, wärmen und unter Menschen sein konnte. Nach bzw. während unseres Umzuges von der alten Fläche wurden uns sogar Lagerräume im Keller zur Nutzung überlassen. Ein Angebot, dass wir sehr zu schätzen wussten, da es uns Zeit gab unsere Ressourcen, die wir nicht mehr selbst benötigen sinvoll zu verteilen.
Einen großen Dank dafür und Ehre gebührt an das tolle Bibliotheksteam, allen voran ihr visionärer Leiter Tim Schuhmann.
Unser kleiner Permakultur Check
🤝 Sorge für die Menschen – Angebot der Bibliothek orientiert an wechselnden und unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen
🌍 Sorge für die Erde – FoodSharing, Bibliothek der Dinge, Bienensaatgutautomat, Saatguttausch
💚 Teile gerecht – Lebensmittel werden solidarisch weitergegeben geteilte Räume und Angebote für Gruppen geschaffen, Lastenrad-Ausleihe für Menschen ohne Auto ermöglicht