Waldgarten & Baumschulen-Schule

Was tun auf einer Fläche, für die wir nur einen Zwischennutzungsmietvertrag haben, der uns jederzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden kann? Bäume pflanzen!?

Wir haben uns dafür entschieden und im Herbst 2017 die Gehölze unseres Waldgartens gepflanzt. Die Idee ist, ein System zu schaffen, das wie ein natürlicher Wald funktioniert und viele für uns Menschen nützliche Erträge produziert. Die hohe Produktivität eines Waldes rührt vor allem daher, dass dort viele Nischen in Raum und Zeit genutzt werden. Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei einem Waldgarten im Unterschied zu einem eher flächigen Gemüseacker um ein dreidimensionales System, angeordnet in verschiedenen Etagen oder Schichten: Hochstämme bzw. Kronenbäume (bei uns zwei Esskastanien), kleinere Bäume (unsere Obstbäume), Sträucher (bei uns vor allem Beerenobst), Kräuter, bodendecke Pflanzen, Wurzelgemüse und rankende Pflanzen. Hinzu kommt die vierte Dimension der Zeit (Sukzession!). Einmal etabliert, benötigt ein Waldgarten verhältnismäßig wenig Pflege, da er vor allem aus mehrjährigen Pflanzen besteht, die sinnvoll miteinander kombiniert werden. Auf kleiner Fläche lässt sich so vieles zum Leben Notwendige produzieren: Lebensmittel, Tierfutter, Medizin, Holz zum Heizen und zum Bauen.

Nach einer langen Planungsphase haben wir in unserem Waldgarten nicht nur die gängigen Obstsorten wie Birne, Apfel, Kirsche und Pflaume gepflanzt, sondern auch  Wärme liebende wie Aprikose, Feige, Pfirsich und Mandel. Anstatt fertig veredelte Bäume zu kaufen und zu pflanzen, haben wir uns dafür entschieden, nur die sog. Unterlagen zu pflanzen und selber zu veredeln. Um über den eigenen Bedarf hinaus zu produzieren, haben wir an jedem geplanten Baumstandort nicht nur einen, sondern vier Bäume gepflanzt und veredelt. So Konnten wir das Veredeln an 120 statt an 40 Bäumen üben. Das war der Start unserer Mini-Baumschulen-Schule, wie wir sie nennen. Da das Veredeln nur bei etwas weniger als der Hälfte der Bäume funktioniert hat, können wir im Frühjahr 2019 ein weiteres Mal üben. Zwischen die Bäume sind Obststräucher wie Aronia, Johannisbeere, Stachelbeere, Heidelbeere und Kornelkirsche gepflanzt. Aber auch Stickstoff fixierende Erlen sowie Sanddorn, Ölweiden und Ginster. Diesen Herbst haben wir damit begonnen, eigene Edelreiser zu schneiden und unsere Sträucher zu vermehren.

Über den Winter werden wir die Planung der sog. Obstbaumlebensgemeinschaften (kurz OLGs) weiter entwickeln und im Frühjahr Kräuter, Bodendecker und mehrjähriges Gemüse in den unteren Schichten pflanzen.