Solidarischer Adventskalender #6 Solidarische Landwirtschaft
– ein Wirtschaftsmodell, das Permakultur lebendig macht
Für mich, Yvonne, ist eine solidarische Landwirtschaft – kurz SoLaWi – eines der anschaulichsten Beispiele dafür, wie Permakultur in der Praxis aussehen kann. Eine SoLaWi ist ein Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben und Haushalten, die sich gemeinsam für regionale, saisonale und vielfältige Lebensmittel entscheiden. Das Ziel ist nicht Gewinnmaximierung, sondern ein tragfähiges Miteinander: Die Ernte wird geteilt, die Investitionen und Risiken auch.
Und es ist mindestens eine wichtige Antwort auf die Frage:
Wie kann angesichts der globalen Marktentwicklung eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben, die gesunde Nahrungsmittel erzeugt und dabei die Natur- und Kulturlandschaft pflegt?
Warum SoLaWis so gut zu den Permakultur-Ethiken passen
“Sorge für die Menschen”
Eine SoLaWi versorgt Menschen mit frischem Gemüse, Obst und Kräutern aus regionalem Anbau. Die Vielfalt ist oft größer als im Supermarkt. Gleichzeitig ermöglicht das solidarische Modell auch Menschen mit kleinerem Einkommen den Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln – etwa über Bieterrunden oder Sozialbeiträge. Für die Landwirt*innen bedeutet die feste Finanzierung Sicherheit: ein stabiles Einkommen, auch in schwierigen Erntejahren. Das nimmt Existenzängste und schafft Raum für nachhaltige Entscheidungen.
“Sorge für die Erde” Viele SoLaWis arbeiten mit Methoden der regenerativen Landwirtschaft: Humusaufbau, schonende Bodenbearbeitung, Mischkulturen, Agroforstsysteme. Einige – wie die SoLaWi Waldgarten – verknüpfen Gemüsebau und Waldgartensysteme. So wird nicht nur geerntet, sondern gleichzeitig Boden aufgebaut, Wasser gehalten und Biodiversität gefördert.
“Gerecht teilen. Nimm Dir was Du brauchst und verteile Überschüsse” Das solidarische Prinzip zeigt sich im Kern des Modells: Die Mitglieder finanzieren den Betrieb gemeinsam. So können Landwirt*innen faire Löhne zahlen und unabhängig von Marktdruck und Förderregularien arbeiten. In guten Jahren teilen alle die Fülle, in schwächeren Jahren bekommt jede Person etwas weniger – aber die Höfe bleiben stabil. Das schafft Resilienz, die wir in der Zukunft dringend brauchen.
Warum eine SoLaWi mehr ist als eine Gemüsekiste
Viele SoLaWis öffnen ihre Höfe für Ernteeinsätze, Mitmachtage, Feste, Hofrundgänge. Man lernt die Menschen kennen, die die eigenen Lebensmittel anbauen, und versteht, was es wirklich bedeutet, Landwirtschaft zu betreiben. Gerade für Familien ist das eine wertvolle Erfahrung: Kinder können sehen, wie Gemüse wächst, riechen, wie frische Erde duftet, und merken, wie viel Arbeit und Liebe in jedem Lebensmittel steckt.
Ein wachsendes Netzwerk
Im Jahr 2018 gab es rund 200 SoLaWis in Deutschland. Heute – 2025 – sind es fast doppelt so viele. Ein starkes Zeichen dafür, dass viele Menschen dieses Modell unterstützen und sich nach echter Lebensmittelsouveränität sehnen.
Doch dieser Wandel braucht uns alle: Jede einzelne Entscheidung zählt. Wir können wählen, ob wir weiterhin große Konzerne finanzieren, die Landwirt*innen in ökonomische Abhängigkeit bringen – oder ob wir direkt dort investieren, wo ökologische und soziale Resilienz entsteht. Denn auch wir benötigen in Zukunft Lebensmittel, die außerhalb der Gewinnmximierung weniger Großhandelsunternehmen hergestellt und gerecht verteilt werden.
Wenn du die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten möchtest, probiere eine SoLaWi aus. Einige bieten Probeabos an, damit du dich orientieren kannst. Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, einen Anteil zu zeichnen und selbst Teil eines solidarischen Ernährungssystems zu werden.
👉 Übersicht aller SoLaWis & Abholstellen
Im folgenden möchten wir euch heute eine Hand voll konkreter SoLaWi Projekte aus unserer Region Berlin / Brandenburg vorstellen. Alle haben ein Alleinstellungsmerkmal, sind unterschiedlich strukturiert und firmiert. Wobei sie alle eint, dass sie Bürger*innen Berlins mit regionalen, saisonalen, klimafreundlichen Lebensmitteln beliefert und Teil eines Lebensmittelnetzwerks sind, die auch in Zukunft in der Klimakrise, resilient genug sind.
SoLaWi Waldgarten – Gemüse & Waldgarten in einem
🌐 Website: https://solawi-waldgarten.de 📸 Instagram: https://www.instagram.com/solawi_waldgarten/
Die SoLaWi Waldgarten wurde von Landwirt Frank aufgebaut. Er verbindet klassischen bio-regionalen Gemüsebau mit dem Aufbau eines Waldgartens. Dadurch erweitern sich die Erntekisten um Obst, Beeren und Säfte. Peace of Land war über viele Jahre Abholstelle. Dadurch sind jede Woche viele Menschen zu uns gekommen, haben Permakultur kennengelernt und sind Teil unserer Community geworden. Überschüsse, die nicht abgeholt wurden, landeten oft direkt im Kochtopf und haben gemeinsame Abendessen im Garten ermöglicht — ein Kreislauf aus Verbundenheit, Lernen und Fülle.
PlantAge – biozyklisch-vegan & gemeinschaftsgetragen
🌐 Website: https://www.plantage.farm/ 📸 Instagram: https://www.instagram.com/plantagefarm/
PlantAge arbeitet biozyklisch-vegan, also komplett tierfrei, und ist zugleich eine Genossenschaft. Ihre Vision ist es, Ernährung, Landwirtschaft und Ökologie in Einklang zu bringen. Sie beliefern Abholstationen in Berlin, Potsdam und Frankfurt (Oder). Ein besonderes Projekt für alle, die vegane Landwirtschaft unterstützen möchten — oder sich generell für gemeinschaftsgetragene, transparente Versorgungssysteme interessieren.
AckerPulcko – von Anne & Deacon
🌐 Website: https://ackerpulco.farm/ 📸 Instagram: https://www.instagram.com/ackerpulco.farm/
AckerPulcko in Alt Madlitz ist eng mit Peace of Land verbunden. Anne und Deacon hatten zeitweise sogar einen Kleingarten in unserer direkten Nachbarschaft und haben Wissen und Inspiration mit uns geteilt. Durch ein Gemüseabo unterstützt man direkt ihre solidarische Landwirtschaft. Die Anmeldung startet jedes Frühjahr — und wer mag, kann das Projekt zusätzlich über Merchandise unterstützen.
SpeiseGut – SoLaWi im Berliner Stadtgebiet
🌐 Website: https://speisegut.com/ 📸 Instagram: https://www.instagram.com/speisegut/
SpeiseGut gibt es seit 2013 — eine SoLaWi, deren Flächen sich zum Teil direkt im Berliner Stadtgebiet befinden. Sie versorgen viele Menschen mit lokalem Bio-Gemüse und leisten wichtige Bildungsarbeit, um den Wert unserer Lebensmittel sichtbar zu machen. Es gibt kleinere Anteile für Single-Haushalte, transparente Unterstützerpreise und sogar einen Probemonat, um den Einstieg zu erleichtern.
Ackerwesen – SoLaWi mit Abholstellen in fast ganz Berlin
🌐 Website: https://ackerwesen.de/ 📸 Instagram: https://www.instagram.com/ackerwesen.solawi/
Ackerwesen ist ein Zusammenschluss biozertifizierter Betriebe (Demeter & Bioland), die gemeinsam eine große solidarische Struktur aufgebaut haben. Die Sonnenblume direkt GmbH koordiniert Packen, Auslieferung und Kommunikation. Besonders beeindruckend: die Vielzahl an Abholstellen in Berlin — von Treptow bis Frohnau, von Köpenick bis Charlottenburg, bis tief nach Neukölln, Wedding und Pankow. Kaum eine SoLaWi ist so breit aufgestellt. Auf ihrer Website kannst du jede Woche sehen, was in der aktuellen Kiste steckt.